Geschichte der Kantorei Barmen-Gemarke

1945 wird Helmut Kahlhöfer mit 31 Jahren zum Organisten der Immanuelskirche berufen. Seine Einstellung sollte das musikalische Niveau im reformierten Gottesdienst anheben, was von vielen puritanisch gesinnten Gemeindemitgliedern nicht befürwortet wird. Mit dem „Reformierten Gesangverein“ kann Kahlhöfer seine künstlerischen Ambitionen nicht umsetzen und gründet am 8.10.1946 zusätzlich ein „Chörchen“, das als „eine Chorgemeinschaft“ am 21.12.1946 sein erstes Konzert mit Chorälen und Schütz-Motetten gibt. Die Sängerinnen und Sänger sind vor allem junge Leute aus dem Umfeld der Fabrikanten-Familie Halstenbach, bei der Kahlhöfer seinerzeit wohnt, Studenten der Kirchenmusikschule in Barmen und der Kirchlichen Hochschule. Geprobt wird anfangs im Gärtnerhaus hinter der Villa Halstenbach, Am Diek 47 in Wichlinghausen.

Dieser ambitionierte zweite Chor der reformierten Gemeinde baut sich im Laufe der Zeit einen Freundeskreis auf, mit dessen Unterstützung er eine rege Konzert-Tätigkeit entfaltet. Über die Mitwirkung im reformierten Gottesdienst entscheidet allerdings das Presbyterium von Fall zu Fall: Denn vieles heute selbstverständlich gewordene wird damals noch mehrheitlich abgelehnt. Strittig sind nicht nur Werke aus katholischer Kirchenmusik wie z.B. von Mozart.

Die erste Konzertreise führt auf abenteuerliche Weise im verschlossenen Möbelwagen am 12.1.1947 nach Duisburg-Neudorf in die Gemeinde von Karl Immer, der in den 1970er Jahren Präses der evangelischen Kirche im Rheinland werden wird und dessen Vater an der Gemarker Kirche gewirkt hat.

Im Laufe des Jahres 1947 erhält der Chor zunächst den Namen „Barmer Kantorei“. Ab Mitte 1948 gibt er sich den Namen „Kantorei Barmen-Gemarke“ und bringt damit seine Zugehörigkeit zur reformierten Gemeinde Gemarke zum Ausdruck, als deren zweite Predigtstätte die Oberbarmer Immanuelskirche gebaut worden ist. Die erste Kirche der Gemeinde Gemarke wurde 1714 auf der „Gemarke“ im Zentrum von Barmen eingeweiht: die Gemarker Kirche, bekannt durch die mutige Barmer Bekenntnissynode 1934.

1954 erste Rundfunkaufnahme in der Immanuelskirche: Choräle für die WDR-Morgenandachten.

1954 wird Helmut Kahlhöfer zum Kirchenmusikdirektor ernannt.

1955 und 1957 Konzertreisen nach England - angekündigt als „Churchchoir of Radio Cologne“ - und zu einem Chorfestival nach Cork (Irland).

1959 und 1962 Konzertreisen Schweiz.

1961 „Tage der Kirchenmusik“ in Berlin: Gottesdienst mit Bischof Dibelius in der Marienkirche wenige Tage vor dem Mauerbau.

1961 musikalische Ausgestaltung der Veranstaltung zum Volkstrauertag im Bundestag Bonn mit TV-Übertragung (Bach: „Fürchte dich nicht“).

1964 Konzertreise Barcelona.

1965 wird Helmut Kahlhöfer als Professor für Chorleitung an die Folkwang-Hochschule in Essen berufen.

1967 erhält die Immanuelskirche ihre Karl-Schuke-Orgel.

1967 Bach-Fest in Wuppertal. Rundfunkübertragung der h-Moll-Messe.

1967 erste USA-Tournee.

Am 13.10.1968 erster Kantate-Gottesdienst mit der Kantorei Barmen-Gemarke, die zuvor nur gelegentlich im Gottesdienst zu hören war.

1971 zweite USA-Tournee.

1972 Konzert in der Wuppertaler Partnerstadt St. Etienne gemeinsam mit Mitgliedern des Sinfonieorchesters.

1975 Deutscher Evangelischer Kirchentag in Frankfurt am Main mit Bach h-Moll-Messe.

1976 wird Helmut Kahlhöfer der Von-der-Heydt-Kulturpreis der Stadt Wuppertal verliehen.

1977 Konzertreise Mailand.

1980 Tournee mit dem Oratorium „Golgotha“ von Frank Martin (u.a. Kirche Maria Himmelfahrt in Köln).

1983 Konzertreise Rom mit Matthäus-Passion.

Anfang der 1980er Jahre ist in Oberbarmen eine Gemeindereform notwendig. Die reformierten und die lutherischen Protestanten werden vereinigt. Die (lutherische) Alte Kirche in Wupperfeld bleibt Gemeindekirche, die (reformierte) Immanuelskirche wird als Gemeindekirche überflüssig, Helmut Kahlhöfer soll nicht übernommen werden. Der Kantorei-Sänger und Presbyter Wolfgang Fehl gründet eine Bürgerinitiative, die für die Immanuelskirche ein Nutzungskonzept erarbeitet und schließlich realisieren kann: Zu diesem Zweck übernimmt 1984 ein privater gemeinnütziger „Trägerverein Immanuelskirche“ Kirche, Gemeindehaus und Pfarrhaus.

Zeitgleich wird 1984 auch die Kantorei Barmen-Gemarke ein selbstständiger Verein, geführt von Helmut Kahlhöfer als Erstem Vorsitzenden und unterstützt vom Kirchenkreis Barmen. Die beliebten Kantate-Gottesdienste in der Immanuelskirche werden weitergeführt.

1983 bis 1985 werden die Konzerte der Kantorei Barmen-Gemarke in andere Kirchen verlegt, solange die Immanuelskirche wegen Bauarbeiten und wegen der Ausstellung 1934-1984 zur Barmer Theologischen Erklärung und zum Kirchenkampf nicht nutzbar ist.

1985 und 1986 Meisterkonzerte der Konzertdirektion Wylach mit den Bamberger Sinfonikern (Bach h-Moll-Messe, Brahms Requiem).

1987 gibt Helmut Kahlhöfer nach 41 Jahren die künstlerische Leitung ab. Neuer künstlerischer Leiter wird Prof. Manfred Schreier. Er organisiert Konzert-Kooperationen mit großen Aufführungen in Wuppertal und Baden-Württemberg (Stuttgart, Weingarten, Alpirsbach, Ravensburg) mit Verdi-Requiem, Mahler (Sinfonien Nr. 2 und 8), Penderecki (Lukas-Passion), Monteverdi (Orfeo, Marienvesper).

1988 Gründung der Orchesterakademie an der Immanuelskirche. Sie besteht aus jungen professionellem Musikern, die jeweils für die Aufführungen engagiert werden.

1993 wird Wolfgang Kläsener mit 31 Jahren neuer künstlerischer Leiter.

1996 erscheint eine Festschrift zum Jubiläum „50 Jahre Kantorei“.

1997 führt die Kantorei Beethovens neunte Sinfonie in Antwerpen auf.

Im Jahr 2000 wird die Orchesterakademie an der Immanuelskirche erweitert um ein Ensemble, das Alte Musik auf historischen Instrumenten spielt.

Im Jahr 2000 beginnt die Veranstaltungsreihe „Liederabend in der Immanuelskirche“ (Begemann & Seyboldt). Vorläufer war eine ab 1988 für mehrere Jahre von einer großen Wuppertaler Brauerei gesponserte Reihe „Lied und Literatur“ mit international namhaften Interpreten.

2004 führt Wolfgang Kläsener die Benefiz-Konzertreihe „Orgelmatineen“ ein, zunächst zugunsten der verstummten Glocken, später zugunsten der Schuke-Orgel.

2005 wird die „Stiftung Kantorei Barmen-Gemarke“ gegründet. Sie soll die Arbeit der Kantorei fördern.

2005 Aufführung der „Dahlemer Messe“ von Dieter Schnebel in Stuttgart und Wuppertal unter der Leitung von Prof. Manfred Schreier.

2006 Festwoche zum 60-jährigen Bestehen der Kantorei Barmen-Gemarke. Im Frühjahr 2007 folgen drei weitere große Konzerte.

2011 Uraufführung des Oratoriums „wie eine Taube“ von Ulrich Klan im Gedenken an den ermordeten armenischen Journalisten Hrant Dink.

2012 Bach h-Moll-Messe als Höhepunkt der Jubiläums-Saison „65 Jahre Kantorei Barmen-Gemarke“.

2012 Mitwirkung an Aufführungen von Verdis Requiem in Paderborn, Altenberg, Bad Homburg, Düsseldorf, Paris und Chartres auf Einladung des Landesjugendorchesters NRW.

2012 Israel-Reise u.a. mit Aufführungen von Mendelssohns „Elias“ in Be'er-Sheva (Patenstadt Wuppertals seit 1977) und Tel Aviv.

2012 überträgt das Erste Deutsche Fernsehen die Christvesper aus der Immanuelskirche.

2013 „Rock meets Classic“ mit der Rock-Gruppe „Procol Harum“ und dem Sinfonieorchester Wuppertal.

2014 erstes Orgelkonzert für Kinder („Karneval der Tiere“) in der Immanuelskirche.

2014 „Familien & Kinder Bach Tage“: Veranstaltungswoche mit abschließender ganztägiger „Kulturpromenade“ in Kooperation mit der Bergischen Musikschule.

2014 Gottesdienst in der Frauenkirche Dresden.

2015 „Rock meets Classic“ mit der Rock-Gruppe „Jethro Tull“ und dem Sinfonieorchester Wuppertal.

2015 wird der „Kinderchor Wichlinghausen“ gegründet.

2015/16 Kooperationsprojekt „Bach Weihnachts-Oratorium & Neue Musik“ in drei evangelischen und drei katholischen Gottesdiensten.

2016 Kinder- und Familienkonzert „Schöpfung für Kinder“ gemeinsam mit 100 Kindern aus 6 Wuppertaler Kinderchören in der Glashalle der Stadtsparkasse in Kooperation mit der Bergischen Musikschule.

2016 Chorreise nach Südengland. Gemeinsames Konzert mit dem „Kent Chamber Choir“ in der Kathedrale von Maidstone.

2017 Aufführung Matthäus-Passion MP 2727 nach einem Konzept von Wolfgang Kläsener mit der Kamea Dance Company aus Israel in drei umjubelten Aufführungen in Leverkusen und Wuppertal

2017 Mit dem 50. Konzert schließt Wolfgang Kläsener seine Benefiz-Reihe „Orgelmatineen“ zugunsten der Schuke-Orgel der Immanuelskirche ab.

2017 Zum 31.7.2017 beendet Wolfgang Kläsener seine Tätigkeit als Künstlerischer Leiter Kantorei Barmen-Gemarke. Sein Nachfolger wird Prof. Volker Hempfling.


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