Liebe Gemeinde,
Paulus und Silas, so erzählt der Evangelist Lukas, sitzen im Gefängnis. Antiker Strafvollzug der gnadenlosen Sorte wird an den beiden durchgezogen: Prügelstrafe und Folter, Essensentzug und Terror. Details, die bei uns Heutigen beunruhigende Bilder aus unserer Zeit wachwerden lassen: Guantanamo und geheime CIA-Gefängnisse, Folterzentralen und Menschenrechtsverletzungen in unzähligen Ländern heute. Paulus und Silas sitzen im „Innersten des Gefängnisses“, also in einer Art römischem Hochsicherheitstrakt, ohne irgendeine Chance auf Flucht. Was war geschehen?
Nach ihrer Ankunft in Europa war für Paulus und Silas die Hafenstadt Philippi zur ersten wichtigen Anlaufstation geworden. Das Christentum betritt mit diesen beiden Missionaren einen neuen Kontinent - unseren Erdteil - Europa.Es ist eine Missionsgeschichte der ungewöhnlichen Sorte, von der Lukas in Europa zu berichten weiß: Zwei Frauen und ihre befreiende Begegnung mit dem Evangelium geben den Anfang europäischer Christianisierung. Die eine Frau ist Lydia, eine Purpurhändlerin, benannt nach ihrem Herkunftsland Lydien. Als Paulus und Silas diese Lydia und ihr Haus taufen, bildet sich die erste Keimzelle einer europäischen Gemeinde (Apostelgeschichte 16, 14-15).
Wenn Sie so wollen, gehen auch unsere Wurzeln hier im Gottesdienst in der Erlöserkirche in Wuppertal am Sonntag Kantate auf diese Lydia in Philippi, auf diese erste europäische Christin zurück.
Die andere Frau bleibt namenlos und wird von einem Wahrsagegeist beherrscht (Apostelgeschichte 16, 16-22). Diese namenlose Sklavin war tatsächlich in der Lage, unter einem Gespinst von Lügen, Betrug und Verdeckungen die Wahrheit auf zu decken, unter kunstvollen Täuschungen den echten Kern freizulegen. Sie war tagelang lauthals schreiend hinter Paulus und Silas hergelaufen und hatte gebrüllt: „Diese Menschen sind Knechte des allerhöchsten Gottes, die euch den Weg des Heils verkündigen.“ (Apostelgeschichte 16, 17). Sichtlich entnervt angesichts dieser nicht enden wollenden Belästigungen befiehlt Paulus dem Wahrsagegeist, von dieser Frau auszufahren. Mit ihrer Heilung erlebt die geplagte Frau zwar eine tiefgreifende Befreiung, ihren Besitzern aber ist durch diesen Exorzismus eine sprudelnde Einnahmequelle zerstört worden. Sie zeigen Paulus und Silas an, weil ihre finanziellen Interessen verletzt worden sind. In ihren Augen zählt die Befreiung und Heilung eines Menschen, einer „wertlosen“ Frau zumal, nichts gegen den ausgefallenen Profit. Hoch profitablen Handel mit abhängigen Frauen und ausgebeuteten Kindern gab es auch schon in der Antike.
Lukas, der Sympathisant und Verehrer des Imperium Romanum, erzählt für seine Verhältnisse sehr ungeschönt und ehrlich vom herrschenden römischen Antijudaismus zur Zeit der ersten Christinnen und Christen: Weder das römische Rechtssystem noch die Tatsache, dass Paulus und Silas römische Bürger waren, verhinderten, dass die beiden Missionare unter der absurden Begründung „weil sie Juden sind“ inhaftiert wurden. Rasse und Religion dienten auch damals zur Vertuschung von finanziellen und wirtschaftlichen Interessen. Ein antisemitisches Verhaltensmuster, das uns in Deutschland aus der jüngsten Vergangenheit schrecklich bekannt vorkommt: „Kauft nicht bei Juden!“ Ein Muster aber auch, das bis heute nichts von seiner Wirksamkeit eingebüßt hat. Wo Menschen verdächtig gemacht werden, reicht oft schon der Hinweis auf ihre Religion, ihre Hautfarbe oder Herkunft, um eine Spirale von Diskriminierung und Gewalt in Bewegung zu setzen.
Paulus und Silas damals, Opfer einer solchen Gewaltspirale jenseits aller Rechtsstaatlichkeit, werden als politische Gefangene, als Terroristen eingestuft. Nach Auffassung der Richter in Philippi sind sie Unruhestifter mit einem jüdischen Hintergrund, die eine aufrührerische Gefahr für die römische Gesellschaft darstellen. Wörtlich heißt die Anklage: „Diese Menschen bringen unsere Stadt in Aufruhr, sie sind Juden und verkünden Ordnungen, die wir weder einhalten noch annehmen dürfen, weil wir Römer sind.“ (Apostelgeschichte 16, 20-21). Für wie gefährlich man aus römischer Sicht Paulus und Silas gehalten haben muss, wird an der Art der Inhaftierung sichtbar: Nicht nur „im Innersten des Gefängnisses“ werden sie weggesperrt, sondern auch noch mit den Füßen in einem Holzblock. Qualvoll an das Holz fixiert wie am Kreuz ihr Meister Jesus, dem sie bis in die Passion nachfolgen.
Es ist Mitternacht, als Paulus und Silas zu beten und zu singen beginnen. An der Grenze zwischen Nacht und Tag widerstehen sie trotzig und widerspenstig mit ihren Gesängen der Verzweiflung, die in der Dunkelheit verführerisch und überwältigend nach ihnen greift. Gemeinsam beten die beiden Männer und loben Gott. Ausdrücklich hält die Apostelgeschichte diese beiden Zwillingstätigkeiten fest: „Sie beten und loben“. Zwillingstätigkeiten, dieses „Beten und Loben“ wie sie auch den Grundrhythmus unserer christlichen Gottesdienste weltweit bis heute prägen: Hosianna (hebräisch: „Rette doch!“), Klage aus der Tiefe auf der einen Seite und Halleluja (hebräisch: „Lobt den Herrn), Lobpreis auf der anderen. Kyrie und Gloria, Klage und Lobpreis. Singen befreit, nicht immer aus dem Kerker, aber häufig im Kerker, weil es beides in eins ist: Ausdruck der Verzweiflung und der Hoffnung. Die Gegenwart wird nicht schöner geredet als sie ist, aber diese gewalttätige Gegenwart bekommt auch nicht das letzte Wort. Da wo Tod und Gewalt allein zu herrschen scheinen, rufen Menschen in Gebeten und Liedern die Macht Gottes an und erinnern sich selbst und andere an die großen Befreiungstaten Gottes.
Singen befreit, das ist die Botschaft der ganzen Heiligen Schrift, besonders der Psalmen, wie Paulus und Silas sie wohl angestimmt haben. Manchmal sind es tatsächlich nur zwei oder drei, die in seinem Namen versammelt sind und Gott in aller Finsternis loben. Manchmal finden solche Gebetsversammlungen unfreiwillig statt, in Kerkern oder an grauenhaften Stätten der Vernichtung. Vielleicht erinnern wir uns an die Freunde Daniels im Feuerofen (Daniel 3), die in das Feuer geschickt wurden aufgrund ihres jüdischen Glaubens. Jüdinnen und Juden, wie ihre Nachfahren im 20. Jahrhundert, die einen grausamen Tod vor Augen in den Konzentrationslagern und auf dem Weg in die Gaskammern sangen. Manchmal singen Menschen auch ohne Leidengenossen, allein gegen ihre Angst an, wie Jeremia am Grund einer schlammigen Zisterne, wie Daniel in der Löwengrube (Daniel 6, 17ff.) oder wie Josef im Gefängnis (1. Mose, Kap. 39).
Wenn wir auf den Zug des Christentums durch Europa schauen, mögen uns auch noch andere Menschen einfallen wie die mutige Hugenottin Marie Durand im Kerkerturm von Aigues Mortues in der Camargue, die sich weigerte, ihrem protestantischen Glauben abzuschwören und dafür lebenslang inhaftiert wurde. Oder, um einen mutigen Zeugen der rheinischen Kirche zu nennen, Paul Schneider, der im KZ Buchenwald umgebracht wurde.
Manche dieser leidenden Zeuginnen und Zeugen Gottes haben sich durch Psalmen und Choräle am Leben gehalten. Sie füllen bis heute den Gessangbuchvers mit Leben: „Tobe, Welt und springe; ich steh hier und singe in gar sicherer Ruh“ (Evangelisches Gesangbuch 396).
Für einige öffnete sich irgendwann tatsächlich die Kerkertür in die Freiheit, für andere ging sie nur noch ein letztes Mal auf, als sie zur Hinrichtung geführt wurden. Die letzte Tür seiner Zelle in Rom hat sich auch für Paulus nur noch für seine Ermordung geöffnet. Einige dieser Zeuginnen und Zeugen Jesu Christi sind mit diesen Liedern und Gebeten auf den Lippen gestorben. Andere haben mitten in der Kerkerhaft Worte von solch einer Eindringlichkeit, Schönheit und Tiefe niedergeschrieben, dass sie heute zum Gesangbuch unseres Herzens gehören. 2006 im Jahr seines 100. Geburtstages fällt uns vielleicht als erstes Dietrich Bonhoeffer ein mit seinen Zeilen zur Jahreswende 1944/ 1945 „Von guten Mächten wunderbar geborgen“. Gerade an diesen Zeilen, ursprünglich nur an Bonhoeffers Braut Maria von Wedemeyer und seine Eltern als Silvestergruß aus dem Gefängnis geschmuggelt, wird deutlich, dass die Worte und Gesänge der Märtyrerinnen und Märtyrer ein lebendiger Schatz sind, aus dem wir Heutigen leben dürfen. Worte zum Leben und Mutfassen für uns.
Wie viele Lieder tragen Sie im Gesangbuch Ihres Herzens bei sich, liebe Gemeinde? Was können sie auswendig, haben es „learning by heart“ verinnerlicht? Zum Jubilieren an Freudentagen und zum Sich-Aufrichten und Sich-Festhalten unterwegs im finsteren Tal?
Ich kann mich aber gerne mit hinein nehmen in diese kritische Rückfrage angesichts dieser biblischen Geschichte: Haben wir einen ausreichenden Vorrat angelegt wie Paulus und Silas, die als fromme Juden die Psalmen auswendig singen konnten? Und haben wir unseren Kindern und Enkelkindern genug mitgegeben, zu Hause und im Kindergarten, im Religionsunterricht und in der Konfirmandenarbeit oder an welchen Orten auch immer? Haben wir sie nicht nur materiell satt gemacht, sondern auch ihre Seelen mit Worten und Tönen, mit Liedern und Gebeten genährt? Singen wir noch zu Geburtstagen oder an Festen? Gibt es noch Familienlieder? Beten wir selbst morgens und abends, oder wie Paulus und Silas um Mitternacht, wenn wir ruhe- und schlaflos im Bett liegen? Bieten wir uns an, an den Krankenbetten oder in den Sterbezimmern von Menschen, die uns wichtig sind, zu beten? Oder ist es uns schwierig, vielleicht sogar peinlich, eine solche betende und singende Lebenshaltung einzuüben, weil sie uns so schrecklich unzeitgemäß und unmodern zu sein scheint? So sehr im Kontrast steht zum Zeitgeist?
Die Versuchung ist mächtig, sang- und klanglos die Haltung unserer Zeit zu übernehmen und die wirklich wichtigen, dafür aber vielleicht auch schwierigen Dinge im Leben vorsichtshalber zu delegieren: Statt lebendige Menschlichkeit zu riskieren, lieber perfekte Konserven zu konsumieren... Das nimmt manchmal ja schon fast skurrile Formen an: Da boomen die Kochsendungen im Fernsehen und dennoch schnippeln, braten und dünsten immer weniger Menschen selbst. Da wird vor lauter Sehnsucht nach Liebe und Bindung die Vorabendliebesgeschichte, die tägliche Fernseh-Soap, fest und unverzichtbar in den eigenen Tagesablauf eingebaut, aber das Risiko, sich auf einen echten Menschen mit all seinen Stärken und Schwächen einzulassen, scheint zu groß zu sein. Da werden lieber perfekte Musikaufnahmen aufgelegt, als mit allen Unvollkommenheiten selbst zu musizieren und zu singen. Selber singen als Gemeinschaftserlebnis gibt es fast nur noch bei tosenden Konzerten und im Fußballstadium. Da grünt vor unseren Augen der Markt mit Spiritualität und Esoterik, weil Menschen so elementare Dinge wie das Beten nicht mehr gelernt haben.
Vielleicht gehören Sie aber auch, liebe Gemeinde, gar nicht zu der Sorte von Delegierern, die ich eben ein wenig überzeichnet dargestellt habe, sondern Sie lieben das echte Leben mit all seinen Widersprüchen und Unvollkommenheiten viel mehr als den schalen uniformen Ersatz aus der Konserve. Vielleicht lieben Sie es, in die wöchentliche Chorprobe zu gehen und mit anderen gemeinsam eine ganze Schatzkammer von Tönen und Worten zu betreten. In Noten und Texten mit Schönheit angefüllt bis zum obersten Rand zu schwelgen. Vielleicht füllen Sie aus dieser Schatzkammer die persönliche Schatztruhe Ihres Lebens auf. Mir scheinen oft die Bibeltexte am schönsten und nächsten zu sein, die ich singen kann, besonders die Psalmen, weil sie wirklich mein Herz erreichen. Vielleicht gehören Sie zu den glücklichen Menschen, die im Gottesdienst eine heilende Gegenwelt gegen all die hektische Betriebsamkeit des Alltags entdeckt haben. Die am Sonntag das erfahren, was auch Paulus und Silas an Leib und Seele widerfahren ist: Singen und beten stärkt und tröstet. Singen und beten bringt immer wieder die Zellen und Kerker unseres persönlichen Lebens zum Einstürzen. Musik kann Mauern zum Wackeln bringen, in die wir uns eingemauert haben. Singen sprengt die Fesseln unserer Trauer und Verzweiflung. Beten erreicht sogar die Verliese unserer quälendsten Schuld und die Einzelzellen unserer geheimsten Einsamkeit. Deshalb das Echo dieses Sonntags: Kantate! Singt! Bringt die Mauern Eures Lebens zum Wackeln! Verwechselt die engen Zellen Eures Lebens nicht mit den weiten Wohnungen Gottes.
Die lauschenden Mitgefangenen im Kerker von Philippi erleben mit, dass es für singende und betende Menschen keine aussichtslosen Lagen gibt. Ein Erdbeben erschüttert das Gefängnis. Manchmal hilft Singen, damit Grenzen, Gitter und Mauern fallen. Wir haben das selbst mit weit offenem Mund staunend erlebt, als damals die Berliner Mauer fiel. Was für ein herbeigesehntes und herbeigebetetes politisches Erdbeben war das. Wir durften in unseren Tagen aus der Ferne Zeitzeugen werden für die gewaltfreie singende Revolution in Estland. Wie gut, wenn Menschen Lieder haben, die sie verbinden und die sie gewaltfrei gegen Unrecht und Unterdrückung aufstehen lassen.
Das Erdbeben in Philippi, das die Gesänge des Paulus und Silas beantwortet, befreit damals nicht nur die unschuldig Inhaftierten, sondern ebenso die anderen Gefangenen, Verbrecher jeglichen Couleurs. Und es konfrontiert den Kerkermeister mit einer ausweglosen Situation: Seine Gefangenen fliehen, so meint er, er selbst hat versagt. Der Ehrencodex seines blutigen Berufes verlangt, dass er nun selbst seinem Leben ein Ende setzt, sich in sein Schwert stürzt.
Wieder sind es Paulus und Silas, die sich ganz anders verhalten als es der gesunde Menschenverstand nahe legen würde. Statt dem Impuls zu folgen, sofort das Weite zu suchen, bleiben sie. Waren sie eingekerkert und misshandelt frei zum Singen und Beten gewesen, so sind sie jetzt, wo sie urplötzlich ihrer Fesseln ledig sind, dafür frei zum Bleiben. Paulus und Silas bleiben um eines Mannes willen, der sie gequält und gefoltert hatte und verhindern so dessen Suizid. Sie bleiben um eines Feindes wiIlen, der ihnen auf diesem ungewöhnlichen Weg zum Bruder wird. Das ist wirklich Gefängnisseelsorge auf eine höchst ungewöhnliche Weise. Um Mitternacht erlebt dieser siuzidgefährdete Mann etwas aufrüttelnd Neues: „In der Mitte der Nacht liegt der Anfang eines neuen Tages und in ihrer dunklen Erde liegt der Keim der Hoffnung.“ Diesem Folterknecht, der sein Geld mit Freiheitsentzug und Gewalt verdient, erzählen Paulus und Silas von Jesus Christus und seinem Reich der Freiheit und Gewaltlosigkeit. Diesem Meister des Todes erzählen sie vom Meister des Lebens. Der Kerkermeister kann nicht genug von diesem Jesus zu hören bekommen. Er lädt die beiden in sein Haus ein und versorgt ihre Wunden, die die Folter hinterlassen hat. Schließlich lassen sich er und sein Haus taufen und werden so zur nächsten christlichen Keimzelle in Europa. Nach einer Purpurhändlerin und einer besessenen Sklavin wird nun als dritter ein Kerkermeister Christ - von Anfang an ist die christliche Gemeinde ein höchst eigenwillige Gemeinschaft. Ein Gewalttäter, dem am Schluss nur noch der Suizid zu bleiben schien, beginnt stattdessen getauft durch seine Opfer ein neues Leben.
Manchmal erfordert dieses Freisein zum Bleiben, so wie es Paulus und Silas leben, einen hohen persönlichen Einsatz. Ich denke an eine aufwühlende Begegnung in Palästina, wo Menschen der evangelischen Gemeinde in Bethlehem unserer rheinischen Reisegruppe erzählten, warum sie in ihrem zerrissenen Land bleiben, während sich die politische Situation immer weiter verschärft und um sie herum die Betonmauer zwischen Israelis und Palästinensern hochgezogen wird. Menschen gefangen in ihrer verwüsteten und wirtschaftlich ausgebluteteten Stadt, abgeschnitten von Schulen und Arbeitsplätzen, ihren Olivenhainen und allem Grün. Ich denke an den Pfarrer im Begegnungszentrum Bethlehem Dr. Raheb, der uns gleichzeitig tief verzweifelt und voller Hoffnung Rede und Antwort stand: Mit wenigen christlichen Gemeindegliedern, die nicht Zuflucht und Asyl im Ausland gesucht haben, harrt er in dem immer islamischer und militanter werdenden Geburtsort Jesu aus - aus seinem Glauben heraus frei zum Bleiben. Menschen, die unsere Gebete brauchen, damit diese unüberwindliche Mauer zwischen Juden und Arabern irgendwann überwunden wird.
Frei zum Bleiben ist aber auch jene ältere Frau in Wichlinghausen, die die Verzweiflung und Schmerzen ihrer Freundin teilt, obwohl der Impuls, zu fliehen und das Weite zu suchen, manchmal übermächtig wird. Manchmal kann sie dieses Dabeibleiben wirklich nur aushalten, weil ihre Gebete ihr einen Weg ins Freie zeigen und weil das Singen im Chor ihrer Seele Flügel verleiht. Dann löst sich ihre Verkrampfung und Anspannung langsam auf, dann kommt sie zur Ruhe. Die Töne erreichen ihre Seele und heitern sie auf.
Die Geschichte des Paulus und Silas hat bei näherer Betrachtung genauso wenig von Idylle wie die Geschichten unseres eigenen Lebens. Dennoch wird hier in der Bibel ein Ton angeschlagen, der durch die Jahrhunderte weiterklingt bis in unseren Kantategottesdienst hinein. Ein Ton voller Menschlichkeit und Hoffnung, der auch uns erreichen will: Betet und singt, damit Ihr erlebt, wie die Mauern Eures Lebens ins Wanken geraten. Traut den Verheißungen, die Euer Herz erreichen.
Amen.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.